Sie sind hier: Aktuelles & Presse > Meldung

Im Dienst der Ölsucher

11.11.2011

Überseehäfen. Der alte Name ist nur noch zu erahnen. „Combi Dock IV“ stand einmal am Rumpf des Schiffes. Ein Schwergutfrachter, getauft im Januar 2010 auf der Lloyd Werft. Keine zwei Jahre später liegt das Schiff schon wieder im Dock. Die alten Buchstaben wurden sorgsam abgeflext und übergemalt. „OIG Giant II“ steht jetzt am Heck.

Von Christoph Barth

„Es ist schon etwas merkwürdig, ein neues Schiff gleich wieder umzubauen“, sagt Friedrich Norden, Ingenieur auf der Lloyd Werft. Als Projektleiter hat er die „Combi Dock IV“ 2009/10 gebaut – jetzt leitet er auch ihren Umbau: Aus dem Mehrzweckfrachter, der von einem Haufen Kies bis zum Schnellboot fast alles transportieren konnte, wird ein Offshore-Installationsschiff.

„Der Markt ändert sich offenbar schnell“, sagt Norden schulterzuckend. Die Bremer Reederei Harren & Partner, die das Schiff auf der Lloyd Werft bauen ließ, hat sich mittlerweile mit dem US-Finanzinvestor Goldman Sachs zusammengetan und die Offshore Installation Group (OIG) gegründet, die ihre Dienste weltweit auf Öl- und Gasfeldern vor der Küste anbietet.

Für die Werft jedenfalls brachte der Umbauauftrag seit August dringend benötigte Arbeit. Ein Schwergutschiff transportiert Ladung von A nach B; ein Offshore-Installationsschiff dagegen muss vor allem eines können: punktgenau auf der Stelle manövrieren. Denn während Pipelines, Kabel, Ankerbojen, Steigleitungen, Bodenplatten, Verteilerköpfe und andere Bauteile eines Unterwasser-Öl- und Gasfeldes am Kranhaken hängen, darf das Schiff nicht abtreiben.

Norden zieht den Kopf ein und taucht in einen düsteren Schacht im Unterboden des Schiffes ab. Ein gewaltiger Propeller hängt in einem Stahlring, dessen Halterung im Schiffsinneren verschwindet. „Das ist einer von den Swing ups“, erklärt Norden – ein ausklappbarer Propeller, der beim Manövrieren auf der Stelle helfen soll. Zwei Stück davon hat die Werft eingebaut, dazu ein Bug- und zwei Heckstrahlruder – insgesamt also fünf zusätzliche Propeller, die gegen Wind und Wellen anarbeiten sollen.

Das größte Loch ließ Norden mitten in den Boden des Schiffes schneiden und mit einem abnehmbaren Deckel verschließen. Durch diesen Schacht – knapp 7,50 mal 7,50 Meter groß – können Bauteile oder der bordeigene Tauchroboter hinabgelassen werden. Auch an Deck hat die Werft einiges umgebaut: Der Bug wird jetzt von einem Hubschrauberdeck überdacht; hinter der Brücke türmen sich Unterkünfte für 100 Ölarbeiter. Und über dem Laderaum reihen sich sechs Dieselgeneratoren, die die zusätzlichen Propeller mit Strom versorgen.

Ob alles funktioniert, soll heute auf dem Weg zum ersten Job getestet werden. Vor den schottischen Orkney Inseln soll das Schiff dann die Fundamente für zwei Wasserturbinen absetzen. Und Projektleiter Norden hofft, dass auch die Schwesterschiffe der „Combi Dock IV“ bald in die Werft zurückkehren. „Geplant ist noch nichts“, sagt er. „Aber die Arbeit könnten wir gebrauchen.“

Neue Agenten

Die Lloyd Werft ordnet ihr weltweites Repräsentanten-Netzwerk neu. Erstmals wird die Werft auch in Skandinavien und Fernost vertreten sein – mit Agenturen in Schweden und Singapur. „Wir wollen die gesamte Bandbreite unserer Fähigkeiten international noch besser vermarkten“, erklärt Lloyd Werft-Geschäftsführer Rüdiger Pallentin. Die Werft wolle sich dabei wieder stärker auf ihren traditionellen Kernbereich Reparatur und Umbau konzentrieren. Aber auch der Schiffsneubau solle im Programm bleiben, „wenn sich die Gelegenheit bietet“.

NORDSEE-ZEITUNG, 11.11.2011

Zurück